Mai 6

Vorsicht - unseriöse Telefonverträge!




Sie kämen von der Telekom und wollten die Telefonrechnungen überprüfen, so erklärten die zwei Personen dem älteren Schönebecker an der Haustür. Und betraten unaufgefordert dessen Wohnung. Als der sehbehinderte ältere Herr die Unterlagen nicht sofort fand, drohten die angeblichen Telekom-Mitarbeiter, der Anschluss müsse stillgelegt werden.

Weiterhin übertrugen die dreisten Verkäufer Bankdaten des überrumpelten Seniors von herumliegenden Kontoauszügen frech in ein Vertragsformular. Ihr Ziel: Der Abschluss eines Telekommunikationsvertrages mit einer Laufzeit von zwei Jahren, der günstige Telefontarife verhieß. Der Mann unterschrieb, ohne überhaupt lesen zu können, was im Vertrag stand. Auch das gesetzlich garantierte Widerrufsrecht bei solchen Geschäften verschwiegen die skrupellosen Vertriebler geflissentlich.

Tatsächlich waren die zwei aufdringlichen Herren gar nicht für die Telekom unterwegs. Sondern im Auftrag des Münchener Unternehmens VR Com, um Telefonverträge an den Mann zu bringen. Gabriela Schultz, Koordinatorin der Mobilen Sozialberatung, berichtet: „Diese Fälle häufen sich leider“. Ihr schilderte der drangsalierte Mann die dubiose Verkaufspraxis. Die Sozialberaterin ist regelmäßig in Schönebeck (bei Magdeburg) und der Region unterwegs, um bei Sorgen mit Ämtern, Fragen rund um die Pflege und anderen Problemen zu helfen.

Schultz weiß von vielen Fällen zu berichten, in denen Vertriebsmitarbeiter Telefonverträge des Anbieters VR Com mit unfeinen Methoden an der Haustüre verkaufen wollten. Offenbar werden vor allem ältere Mitbürger zu Opfern recht aggressiver Vertriebsmethoden.

So hielten die „Vertriebspartner“ dem praktisch blinden Schönebecker neben dem eigentlichen Vertrag noch ein zweites Formular hin. Darauf bestätigte der arglose Kunde per Unterschrift genau das, was die Telekommunikationsberater offenkundig nicht gemacht hatten: Dass diese sich ihm gegenüber als Berater der VR Com und keineswegs als Telekom-Mitarbeiter ausgegeben hätten.

Gabriela Schultz kennt allein drei Fälle, in denen ältere Menschen hinterher die vermeintlich günstigen Telefonverträge mit dem Unternehmen wieder gekündigt haben. Insgesamt hätten aber weitaus mehr Menschen in Schönebeck und im Bördeland Erfahrungen mit den rabiaten Methoden gemacht.

Auch Simone Meisel von der Verbraucherberatung Sachsen-Anhalt in Halle/Saale rät zur Vorsicht bei solchen Haustürgeschäften. Die Juristin betont, dass bei Telekommunikationsverträgen, die an der Haustüre abgeschlossen wurden, eine Widerrufsfrist von zwei Wochen gilt. Und wenn der jeweilige Verkaufsberater es versäumt, auf diese Widerrufsfrist hinzuweisen, könne man auch noch nach dem Ablauf dieser zwei Wochen kündigen.

Beschwerden wegen solch unseriösen Verkaufsstrategien gehen laut Meisel tagtäglich bei der Verbraucherzentrale ein. Kunden, die sich überrumpelt fühlen, sollten auf jeden Fall die Möglichkeit der Vertragskündigung nutzen. Hilfe böten auch die Verbraucherzentralen. Eine Telefonnummer der Münchener Firma VR Com GmbH war leider nicht zu ermitteln.